Donnerstag, 10. Juli 2014

Wieder im Spiegel ...

... werden am 10.7. 14 von Michael Kröger (mik)  die Alten als Last für die Jungen dargestellt. Hier eine Entgegnung.


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Eine längere Lebenserwartung der Alten belastet die Jungen?


Der Spiegel titelt: Längere Lebenserwartung: Rentenzeit hat sich seit 1960 verdoppelt. Anstatt dies als positive Nachricht zu sehen, steht im Untertitel: „Arbeitsministerin Andrea Nahles feiert die Rente mit 63 als wichtigen Beitrag zur Gerechtigkeit. Die jungen Beitragszahler sehen das vermutlich anders - sie müssen ohnehin bereits doppelt so lange für die Alten sorgen wie vor 50 Jahren“

Die Zukunft der Jugend liegt im Alter. Werden die Jungen dann nicht auch von der längeren Lebenserwartung profitieren? Doch bis dahin ist für den Dreißigjährigen noch viel Zeit. Zumindest empfindet der Dreißigjährige das so.

Wie begründet ist die unverhohlen in dem Artikel formulierte Altenfeindlichkeit? Denn altenfeindlich ist der Artikel in der Sache sehr wohl, erscheinen die Alten doch als die Schmarotzer der arbeitenden jüngeren Bevölkerung. Ist dem so? Natürlich nicht.

Das Bruttoinlandsprodukt stieg von 1969, d. h. als der heute Fünfundsechzigjährige zu arbeiten begann, von 607,7 Mrd. DM auf 2 735,8 Euro. Die Bevölkerungszahl in Deutschland ist im gleichen Zeitraum von 78, Mio. auf ca. 82 Mio. angewachsen. Damit hat sich der Wohlstand in Deutschland, auch preisbereinigt, um ein Vielfaches erhöht. Blasse Theorie? Ein eigenes WC und ein eigenes Badezimmer, warmes Wasser, Reisen ins Ausland, ein Auto, Fernsehgerät, der arbeitsfreie Samstag, die Möglichkeit für jeden, eine höhere Schule zu besuchen, das alles wurde in den letzten Jahrzehnten von der Generation geschaffen, die heute in Rente ist oder geht. Von PC, Internet und Handy ganz zu schweigen. Dieser Wohlstand wird von jungen Menschen heute selbstverständlich hingenommen. Wem sie ihn zu verdanken haben, wird nicht mehr hinterfragt.

Wenn aber das Bruttoinlandsprodukt überproportional steigt, die Bevölkerungszahl insgesamt stagniert, wer soll denn dann ärmer werden? Spielt es dann wirklich eine Rolle, wie die Alterszusammensetzung einer Gesellschaft sich darstellt? Wohl kaum. Die Produktivitätssteigerungen wurden durch die Rentnergeneration geschaffen. Nehmen wir das jedem sichtbare Beispiel des Hochbaus. Welcher Maurerlehrling muss heute noch schwere Eimer mit Mörtel das Gerüst eines Rohbaus hochschleppen und sich damit den Rücken ruinieren? In der Industrie steigern hochspezialisierte, computergesteuerte Automaten die Arbeitsleistung eines Arbeiters ins Unermessliche. Wenige produzieren heute mehr und können deshalb mehr konsumieren und mehr Menschen ernähren.

Wo liegt also das Problem? Letztendlich nur in der Finanzierung der Renten. Und, auch das sei gesagt, in der ungleichen Verteilung des Einkommens. Die hohe Produktivität der deutschen Bevölkerung wird nicht in ausreichendem Maß für die deutsche Bevölkerung verwendet, sondern führt zu einem hohen Außenhandelsüberschuss. Die Folgen für Europa mussten wir in den letzten Jahren erkennen.
Es wäre bösartig zu unterstellen, dass von den wirklichen Problemen der ungerechten Vermögens- und Einkommensverteilung abgelenkt wird, indem die Alten zum Sündenbock gestempelt werden. Von der Hand zu weisen ist die Unterstellung nicht.

Solange die Finanzierung der Renten nicht steuerfinanziert wird und damit alle, auch die Reichen, einbezogen werden, wird die Diskussion um die ausbeutenden Alten nicht verstummen.
Den Jungen wird mit der Aufforderung, sich privat abzusichern, gleichzeitig Sand in die Augen gestreut. Das nützt einzig und allein WIEDER den Wohlhabenden, den Versicherungen und Banken. Nehmen wir an, ein junger Angestellter spart privat eine Rente an. Hört sich gut an. Ist es aber nicht. Bis zum Eintritt des Rentenalters steigt die Rente dynamisch. Und danach? Stagniert sie. Von dem Geld, das mit Eintritt des Rentenalters bezogen wird, kann der Alte nach 15 Jahren gerade noch seine Enkel in das Gasthaus zur Goldenen Möwe zu einem Hamburger einladen. Die Inflation wird den Wert der Rente aufgefressen haben. Abgesehen davon müssten auch so die Jungen wieder die Alten ernähren. Ob das über die Zinsen privatwirtschaftlich geschieht oder über Steuern bzw. Rentenbeiträge spielt keine Rolle. Was die Alten essen und sonst verbrauchen, muss produziert werden.

Es wird deutlich, dass das Problem der Renten nicht so zu lösen ist, wie sich unsere Eliten in Wirtschaft und Politik das wünschen. Und wie fair es ist, die Alten für das Problem verantwortlich zu machen, das mag jeder für sich entscheiden.

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